Artikel zur Ausstellung

Hier der Vorabbericht zur Ausstellung, erschienen auf der Seite der RLK, in der UZ-online sowie UZ-Wochenzeitung und im Berliner Anstoß:

Es wird werden!

Kunstausstellung: ‚Ni dieu, ni maître – wir brauchen keine anderen Herren, sondern keine!’

XXI. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz am 9.1. 2016 in der Urania Berlin

Das macht Mut: Auch in diesem Jahr folgten wieder sehr viele Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland dem Aufruf der ‚Gruppe tendenzen Berlin’ und der jW und sandten ihre künstlerischen Beiträge für die 3. Kunstausstellung in Folge. 40 von ihnen stellen sich nun mit nahezu 100 Exponaten einem interessierten Publikum vor.

Diese Künstlerinnen und Künstler mischen sich mit überzeugendem Engagement ein, sie gestalteten ihre persönliche Sicht auf das Thema mit unterschiedlichen Sujets, und in verschiedensten Techniken: Objekte, Skulpturen, Aquarelle, Fotos, Grafiken, Radierungen, Collagen sowie Ölbilder. Dabei bleibt kaum ein Lebensbereich ausgeklammert: Alexej Brykowsky aus Berlin, bringt mit der Bezeichnung ‚Hartz IV Kunst’ ein umfangreiches Mobilé zum Tanzen. Ahmad Majd Amin aus Berlin zeigt auf seinem Acrylgemälde in expressiven Farben ein mit Flüchtenden überbeladenes versinkendes Boot, im Hintergrund brennende Ruinen, Mauern, Dunkelheit, Trauer und Bestürzung. Die Situation der unzähligen, vor Krieg und Elend flüchtenden Menschen findet sich in mehreren Bildern wieder. Ursachen werden bildhaft benannt, Zusammenhänge verdeutlicht, Lügen und Heuchelei der politisch Verantwortlichen enttarnt, auch ‚wenn sie schwer zu fassen sind’, wie Rudolf Sittner eine Tuschezeichnung betitelt. Dem Betrachter öffnen sich Erlebniswelten: mit zartem Strich oder expressiv, voll wahrhaftigem Mitgefühl, satirisch und ernst, feinnervig oder in großzügiger Gestik, verbindlich oder auch kompromisslos, jedoch immer Partei ergreifend gegen Gewalt und Krieg, für die Leidenden, für die Betrogenen und vor allem für Frieden. Gerrit Marssen präsentiert in dieser Ausstellung sein drittes Triptychon zu Lateinamerika: diesmal eine Hommage an den hinterhältig ermordeten Anführer der Farc in Kolumbien. Sein farbenprächtiges Bild ist aber auch eine Liebeserklärung an die wunderschöne Natur Südamerikas, Artenreichtum, für uns Europäer fast unvorstellbar schöne Farben, darin ein einzelner Mensch: Fülle und Leere, Liebe und Trauer – Kontrast als Protest.

Mark Twain lässt in seinem Buch ‚Briefe von der Erde’ Satanael gegen Gott protestieren, weil er so viel und grausamstes Unrecht an den Menschen und unsägliches Leid zulässt und nicht eingreift. Nein, wir brauchen weder Gott noch andere Herren, wir müssen uns selbst kümmern und zusammen die Dinge verändern – auch mit Kunst als Waffe.

‚Es wird werden’ optimistischer als Ulrich Stettner aus Berlin kann man sein Bild nicht betiteln. Fügen wir noch hinzu: Es muss werden!

Die Vernissage findet beim Café K in der 2. Etage um 10:30 Uhr mit Musik der Band Mikscifona statt. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen.

Bärbel Brede

 

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